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Impressionen vom Kindersommer

Kiew – Tschernobyl – Jelsk (12.09.–19.09.2009)

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Vorspiel

19.07.2008: Am Rande des Sommerfests 2008 hatte der zweifache Belarus-Bereiser Michael Guggenmos mich gefragt, ob ich nicht einmal Lust hätte, bei einem privaten Hilfsgütertransport mitzumachen. Er wollte sperrige Gegenstände, die nicht in den Kinderbus passen, in die Region von Jelsk und Mozyr bringen: Fahrräder, Ski und ähnlich nützliche aber unhandliche Dinge. Ich nehme einerseits leidenschaftlich gerne unbekannte Straßen, Sträßchen, Feldwege und auch unwegsame Sonderprüfungen unter die Räder meines leidlich geländegängigen Motorrads, bin andererseits aber auch ein ausgemachter Feigling in Sachen möglicher Pannen. Also habe ich breit grinsend versprochen, mich mit dem Motorrad in den für mich völlig fremden Abenteuerspielplatz zu wagen, solange mir das rettende „Servicemobil“ folgt.

18.07.2009: Ein Jahr später – beim Sommerfest 2009 – stellen wir fest, dass er vergeblich auf mich und ich genauso vergeblich auf ihn gewartet hatte. Für die Saison 2009 ist die Aktion damit wohl leider gelaufen. Michaels größter Hinderungsgrund ist, dass er mit David Krugmann (dem Kunstmaler aus Jelsk und jetzigem Wahlfürther) für Mitte September schon eine Flugreise in dessen Heimat verabredet hat. Kurz entschlossen bewerbe ich mich um den dritten Platz im Flieger. Schließlich war die Hauptsache, der Gegeneinladung der Lehrerinnen aus Belarus zu folgen und einmal mit eigenen Augen zu sehen, wo und wie die Kinder leben und zur Schule gehen.

Kaum haben wir den Termin fixiert und die notwendigen Urlaubstage klargemacht, stellt sich heraus, dass David Krugmann doch nicht mitkommen kann. Er hat kurzfristig wichtige Einladungen zu Vernissagen und Ausstellungen bekommen, die er nicht ablehnen kann. Zu dem Zeitpunkt sind Michael und ich schon so scharf auf den Trip, dass wir nicht mehr absagen wollen und die Planung zu zweit fortsetzen.

Erst mal prallen zwei Welten aufeinander. Michael weiß von seinen früheren Reisen, dass man dort für jede Etappe reichlich Zeit einplanen muss, ich habe keine Ahnung und bilde mir ein, dass die Reise dank des schnellen Düsenjets in drei Tagen locker zu schaffen sein müsste. Michael gibt der Reise ein Gesamtbudget und knausert dann höchst ehrenwert aber gnadenlos gegen sich selbst, damit ein möglichst großer Anteil für die Kinder und ihre Familien bleibt, während ich lieber mit zwei getrennten Töpfen für die Kinder und für meine eigenen Reisespesen plane. Beide Modelle sind vermutlich auf die jeweilige Art „richtig“, aber hätten wir keine Kompromisse gefunden, wären wir uns unterwegs wohl nur selten begegnet. Michael ist jederzeit bereit, den Nachtzug um 2:31 Uhr zu nehmen, während ich Wert darauf lege, nachts zu schlafen. Nachdem ich wusste, dass mich nach der Reise ein verdammt voller Schreibtisch erwarten würde, konnte ich mir nicht erlauben, urlaubsreif von einer strapaziösen Expedition zurückzukommen. Michael steckt das anscheinend leichter weg, aber er ist ja auch 4 Wochen jünger als ich …

Als Flugziele kommen für uns Minsk oder Kiew in Frage. Mit Kiew haben wir zwar einen zusätzlichen Grenzübertritt von der Ukraine nach Weißrussland, aber es liegt näher an Jelsk, also fliegen wir lieber dort hin.

Durch die Ankunftszeit in Kiew ist ausgeschlossen, dass wir noch am gleichen Tag weiterreisen, also ist mindestens eine Übernachtung in Kiew Pflicht. Nachdem ich noch nie in einem Ex-UdSSR-Land war, kein russisch spreche und die kyrillische Schrift nicht lesen kann, kommt mir das gerade recht, denn so kann ich mich in der Metropole erst mal an die russische Umgebung akklimatisieren, bevor wir raus aufs Land fahren.

Anreise

Die Lufthansa fliegt täglich ein- bis zweimal München – Kiew und zurück. Tickets gibt es ab ca. 200 Euro. Wir hatten Miles & More Prämienflüge, mit ein wenig Mut erst zwei Wochen vorher gebucht und damit mit „Fly Smart“ für nur 15 000 Meilen pro Nase.

Die Einreise in die Ukraine geht recht problemlos ohne Visum. Allerdings braucht man für Belarus ein Visum. Das bekommt man, wenn man 65 Euro bezahlt und einen Michael hat, der weiß, wie man den Antrag korrekt ausfüllt. Ohne sein Know How hätte ich es sicher nicht ohne Komplikationen geschafft. Da ich ohnehin in Berlin zu tun hatte, habe ich unsere Anträge sonntagnachmittags persönlich bei der Botschaft abgegeben und die ersten beiden überraschend netten weißrussischen Amtspersonen kennengelernt. Acht Tage später waren unsere Reisepässe mit den beantragten Visa im Briefkasten. Das war flott!

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